Das Jahr 2011 im Literaturhaus Villa Augustin


 

Das Veranstaltungsjahr 2011 wurde mit einer Lesung des Präsidenten des P.E.N. Zentrum Deutschlands Johano Strasser eingeläutet. Der gebürtige Niederländer las im Januar aus seinem Buch „Kolumbus kam nur bis Hannibal. 14 subversive Geschichten“ und bildete den Auftakt zu einer Reihe interessanter, illustrer Lesungen verschiedenster Autoren, die in diesem Jahr zu Gast waren im Literaturhaus Villa Augustin.

 

Zur Präsentation des Literaturrätselkoffers im Februar 2011 las der Chamisso-Preisträger Artur Becker aus seinen Romanen „Das Herz von Chopin“ und „Der Lippenstift meiner Mutter“. Das diesjährige Thema des Rätselkoffers war die polnische Literatur, Artur Becker als in Deutschland lebender und schreibender Pole für die Vermittlung dieses Themas prädestiniert. Auch die Schreibwerkstatt „Starke Federn“ für literaturbegeisterte Schulkinder fand im Februar ihren Auftakt.

Fernöstlich wurde es im Literaturhaus Villa Augustin mit dem vietnamesischen Têtfest – landestypische Literatur und kulinarische Spezialitäten inklusive! In der Reihe „Schöner Reisen!“ wurden die Texte von Andreas Altmann und im Rahmen des Têtfests die der Dichterin Hồ Xuân Hương und des Schriftstellers Nguyễn Huy Thiệp vorgestellt.

In neu erprobter Kooperation mit den Städtischen Bibliotheken las Claudia Klischat in Dresden. Ihr folgten im April Angela Krauß und Renate Preuß im Mai.

 

Im März präsentierten die Literaturner ihren Erzählband „Drei Worte“, im Dresdner Prolog zur Leipziger Buchmesse lasen die serbischen Autoren Lásló Végel, Sreten Ugričić und Verica Tričković unter dem Motto „Kleine Sprachen – große Literaturen“ und Uta Hauthal stellte gemeinsam mit Derek Henderson und Andreas Scotty Böttcher das Hörbuch zu ihrem gleichnamigen Erzählband „Hinaus in die Heide, zum Fluss“ vor.

 

Nachdem Artur Becker im Februar Gast des Literaturhauses war, kündigte sich mit Eleonora Hummel im Mai eine weitere Chamisso-Preisträgerin in der Villa Augustin an. In der interkulturellen Schreibwerkstatt „Sprachen machen Leute“ unterstützte sie gemeinsam mit Michael G. Fritz Schreibinteressierte beim Umgang mit Handwerk und kreativen Möglichkeiten und gab eine Lesung in der Stadtteilbibliothek Reick. Gefördert wurde diese Schreibwerkstatt von der Robert Bosch Stiftung. Im Mai standen außerdem eine Veranstaltung zum Gedenken an die Bücherverbrennung in Dresden, ein Irischer Abend mit Hugo Hamilton und Kolleginnen sowie eine Lesung mit dem bulgarischen Autor Vladimir Zarev an.

 

Im Juni hat der Förderverein für das Erich Kästner Museum / Dresdner Literaturbüro e.V. mit dem Einzug in die Villa Augustin einen nahezu ideal gelegenen, authentischen Standort im Herzen der Dresdner Neustadt gefunden. Im Verlauf der vergangenen Jahre hat sich das ergonomische Literaturhaus mit Museum und Veranstaltungsbetrieb zum Anziehungspunkt für Touristen und zum Treffpunkt für vielfältige Akteure der Dresdner Literatur- und Kulturszene entwickelt. Dazu gehören vor allem Dresdens einziger Autorenverein – die Unabhängige Schriftstellerassoziation – und auch nicht organisierte Autoren ebenso wie der SIGNUM Freundeskreis, alternative Autorenvereinigungen, Werkstattgemeinschaften, literaturinteressierte Jugendliche, der kreative Kinderclub Pinguin PEN und andere Träger des internationalen Kulturlebens in Dresden. Die Partner und die Gäste unseres Hauses genießen den zentralen Standort und die persönliche Atmosphäre der Villa. Am 15. Juni 2011 wurden in der Villa Augustin gleich zwei Premieren gefeiert: Der Autor und Dramaturg Ralph Hammerthaler wurde von einer unabhängigen Jury zum Dresdner Stadtschreiber gewählt und hielt seine Antrittslesung in dem neu erschlossenen Obergeschoss des Literaturhauses am Albertplatz. Mit diesem Gewinn an bisher fehlenden räumlichen Möglichkeiten war die Idee eines Lesecafés endlich umsetzbar, in dem sich die Besucher nun auch gemütlich bei einer Tasse Kaffee hinsetzen und dabei einen Blick in die Bücher des Museumsshops oder der im angrenzenden Wintergarten befindlichen Präsenzbibliothek werfen können. Ebenfalls im Juni besuchte der ehemalige Stadtschreiber Catalin D. Florescu das Literaturhaus Villa Augustin im Rahmen der interkulturellen Schreibwerkstatt.

 

Das erste Septemberwochenende 2011 stand komplett im Zeichen der BARDINALE®, deren diesjähriges Motto „POESIEKARAWANE“ lautete. Vom 2. - 4. September feierte die Bardinale ihren 10. Geburtstag mit einem kompakten Wochenendfestival im Literaturhaus Villa Augustin. Der diesjährige Länderschwerpunkt lag auf der Literatur des Maghreb und des Nahen Osten. Während des Festivals waren mehr als 50 Künstler aus 10 Nationen zu erleben, u.a. SAID, Günther „Baby“ Sommer, Volker Braun, Abbas Baydoun und das Künstlerquartett „Fön“.

Der italienische Autor und Chamisso-Förderpreisträger Francesco Micieli stellte ebenso seine Werke vor, wie der ihm folgende Paul Maar mit seiner Promi-Jugendbuchlesung.

Im gleichen Monat präsentierte Jens Wonneberger seinen neuen Roman „Sture Hunde“ und mit einigen Veranstaltungen zum Projekt „Czeslaw Milosz – der berühmte Unbekannte“ wurde der polnische Nobelpreisträger von 1980 anlässlich seines 100. Geburtstages geehrt. Ehre erwiesen wurde auch dem tschechischen Dichter und Politiker Václav Havel in einer Hommage gehalten von Hans-Jörg Dost.

 

In den Herbstferien fand die Erich Kästner-Schreibwerkstatt 2011 der Kulturstiftung der Dresdner Bank statt. Aus über einhundertfünfzig Einsendungen wurden die 70 kreativsten Teilnehmer ausgewählt und durften mit bekannten Dresdner Autoren an ihren Geschichten weiterarbeiten.

Autor und Poet Michael Symmons Roberts kam extra aus England, um in drei ausgewählten Städten Deutschlands, darunter auch Dresden, seine „Edgelands“ vorzustellen. Von nicht ganz so weit her, aber aus ganz Deutschland angereist, kamen Schauspieler zur mittlerweile traditionellen Shuttle-Lesung Prager Nacht in Sachsens Hauptstadt.

 

Der Dresdner Autor Ralf Günther läutete im November die Weihnachtszeit ein und stellte seinen Roman „Ach du Fröhliche“ vor. Von der Vorweihnachtszeit in das vergangene Mittelalter ging es mit dem Schweizer Autor Adolf Muschg, der aus seinem Roman „Sax“ las.

In der Reihe Literarische Erinnerungen wurde außerdem der im Januar verstorbenen Eva Strittmatter gedacht und Heinrich von Kleist anlässlich seines 200. Todestages die Ehre erwiesen, aus seinen Werken zu lesen.

 

Bevor das Jahr allmählich ausklang, stand im Dezember ein wahrer Veranstaltungsmarathon mit variationsreichen Darbietungen und Akteuren an. Der Dresdner Frauenchor „femmes vocales“ ließ Anfang Dezember vorweihnachtliche Stimmung aufkommen, Michael Klonovsky und Manfred Osten regten mit einem Nachruf auf den Helden zur Disskussion über ein höchst brisantes und aktuelles Thema an, in Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden veranstaltete das Literaturhaus eine musikalisch-literarische Lesung zu Dresdner Autoren der „Neuen Sachlichkeit“. Die letzte Veranstaltung in diesem Jahr war die Midissage zu der seit Dezember gezeigten Ausstellung „Emil und die Detektive“ der israelischen Künstlerin Ronnie Setter. Ihre Arbeiten werden noch bis Ende Februar 2012 im Literaturhaus Villa Augustin gezeigt.

 

Wir möchten uns bei allen für ein ereignisreiches, vielfältiges Jahr, vollgepackt mit Lesungen nationaler und internationaler Autoren, literarischen Erinnerungen, Schreibwerkstätten und vielen anderen Veranstaltungen, bedanken und freuen uns auf ein literarisches 2012!