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Sibila
Petlevski
LEBENSWEG
Zungenflechtend,
schwankend und in Ohnmacht
fallend, verstand ich es, kleine Wundmale
ausstellungsmäßig herzuzeigen, in die Rundebittend;
"Nicht berühren", wiewohl niemand Anstalten machte,
zu berühren,
hinzuschauen, gar nicht wusste,
Galgen zu merken, von ihnen herabhängende tote Lettern
als Vordach; stürmen, Regengüssen,
dem Hohn, der Willkür und der Vogellaune ausgesetzt.
Schwarze Raben
fütterten mich an die ganze
vierzig Tage, schwarze Raben fütterten mich,
so wähl ich einen anderen Weg und Beruf.
Selbst mein
genussgeübter Mund ist imstande
sich noch nach Fleischgenuß zu sehnen. Bin nicht mehr
jene, welche Bücher vor der Mahlzeit liest, vom Rande.
Verdeutscht
von Ivo Runtic
Copyright bei der Autorin
Biografisches
Sibila Petlevski ist die kroatische P.E.N. Präsidentin und
eine über die Grenzen ihres Herkunftslandes hinaus bekannte
Dichterin, Erzählerin, Dramatikerin, Literaturkritikerin,
Übersetzerin und Herausgeberin. Sie lehrt als Professorin
an der Akademie für dramatische Künste in Zagreb. Ihre
Texte verfaßt sie schon seit Jahren zweisprachig (kroatisch/englisch),
ihr Werk wurde in etliche europäische Sprachen übersetzt.
Unter anderem trug sie mit ihrem lyrischen Band Hundert alexandrinische
Epigramme, für den sie 1993 den wichtigsten Literaturpreis
Kroatiens erhielt, mit dazu bei, die kroatische Literatur aus
dem erzwungenen Kellerdasein während des Krieges und aus
ihrer daraus folgenden Provinzialität zu heben. Als Mitglied
des internationalen P.E.N. führt ihr Weg zu vielen internationalen
Lyrikfestivals, endlich auch zur BARDINALE.
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Autorendokument (PDF)
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